Kategorie/Anlass: Gruppenreise, Incentivereise

Was ist 25 Meter lang, 10 Meter breit, brummt hin und wieder und steht mit beiden Beinen fest auf dem Wasser?

Der Traum-Katamaran von Dream-Yacht-Charter, auf dem ich am 11-tägigen „Bird Cruise“ teilnehme.

Tagebuch eines Seychellen Segeltörns mit Vollpension

Für mich – Hans Mühlbauer – der ich mich mit exklusiver Yachtcharter und mit Maritimen Incentives & Events beschäftige, ist die Situation ebenso neu wie ungewohnt: Sonst auf eigenem Kiel und auf anderen Yachten als Kapitän unterwegs, kann ich hier eine „Fully Crewed Charter“ erleben und muss mich um nichts kümmern.

Ein Skipper und weitere drei Crewmitglieder kümmern sich um wirklich alles: Schiffsführung, Navigation, Verpflegung, Einkauf, ja sogar das Anlanden gefangener Fische und aufmerksame Hilfestellung beim Einsteigen ins Beiboot. Dieses wird in den kommenden Tagen eifrig genutzt werden, denn mit Häfen, bequemen Marinas oder wenigstens Stege für Dingis ist so ziemlich Fehlanzeige. Dafür schießt zum Anlanden schon mal ein kleines Motorbötchen samt einheimischem Bootsführer und Gästen volle Pulle den Sandstrand hinauf bis ins Trockene, denn die nächste brandende Welle folgt sofort und würde das Boot tosend unter sich begraben. Spannende Tage werden's also sein „in Paradise“!

Die Inselgruppe der Seychellen liegt etwa 500 Seemeilen östlich von Afrika und nördlich von Madagaskar – knapp südlich des Äquators. Wegen der gigantischen Granitformationen, die von Wind und Wellen geschliffen wurden, umrahmt von riesigen Palmen, wegen des grandiosen bunten Fischreichtums, der exklusiven Hotels und Resorts und natürlich wegen des meist knapp 30 Grad warmen türkisen Wassers kommen die Besucher aus aller Welt zu diesen Perlen des Indischen Ozeans – so auch ich.

Große Hotels mit lärmenden Menschenmassen, die sich an all inclusive Buffets drängen, gibt es hier nicht. Dafür aber abgeschiedene und luxuriöse Unterkünfte auf vielen Inselchen – und eine Reihe von Yachtanbietern, die Charteryachten aller Größen für Selbstfahrer sowie Yachten mit Crew für Segler, Nichtsegler und Taucher anbieten. Die Ankunft mit Air Seychelles beschert mir nach dem morgendlichen Regenguss knappe 100 Prozent Luftfeuchtigkeit bei fast 30 Grad Temperatur. So ist es ratsam bereits kurz vor der Landung auf leichte tropische Klamotten umzusteigen und die europäische Kluft gegen T-Shirt und Shorts auszutauschen. Sonst klebt das Hemd am Körper, noch bevor der Zoll die Schlange der Wartenden erfasst und deren Pässe abgestempelt hat.

Der Taxitransfer zur Yacht dauert nur wenige Minuten, wo ich mit einem Willkommensdrink von Skipper und Crew an Bord herzlich begrüßt werde. Anschließend mache ich es mir in meiner Kabine bequem und genieße eine schnelle Dusche in meinem separaten Bad. Ich bin auf der Suche nach „meiner“ Trauminsel – der Insel mit zwei Bergen, einem Taleinschnitt dazwischen und an beiden Flanken je einem kitschig schönen Traumstrand. Bilder habe ich davon gesehen und den Namen kenne ich auch schon: Grand Soeur. Gleich beim An-Bord-Kommen hatte ich unseren Skipper schon damit genervt, dass wir unbedingt dort ankern sollten! Er sagte lakonisch: "Mal sehen, ob das Wetter mitspielt." Nicht gerade meine Wunschantwort, aber immerhin habe ich 'ne Chance. Ende erster wartender Tag in Paradise.

Charlie, unser Skipper, und seine Crew haben inzwischen in der „Angel Fish Marina“ auf der Hauptinsel Mahe abgelegt, denn alle Gäste sind an Bord. Unser Megakat namens „Sualiga“, angetrieben von zwei jeweils 135 PS starken, aber leisen Dieselmotoren, gleitet im Fahrwasser entlang der Ostküste und schwenkt dann hinaus auf die See. Kaum ist das Ansteuerungsfeuer des Haupthafens Victoria passiert, lässt Charlie die Segel setzen. Das imposante Großsegel wird von Dennis, dem „Best Boy“, bedient und es steigt langsam, gezogen von einer mächtigen Lewmar-Elektrowinsch, am Mast in die Höhe. Als dann Ronny, eigentlich der Tauchguide, aber hier erledigt jeder jede Arbeit, auch noch die Genua ausgerollt und wir auf halben Wind abfallen, springt das Boot sofort an – 25 Meter Länge laufen – wie auf Schienen!

Und schon bimmelt der Koch Daniel an der Schiffsglocke und lädt zum Lunch ins Cockpit. Es gibt was Leichtes: Salat aus grüner Papaya, Safranreis mit Fischsoße und zum Nachtisch Passionsfrüchte und diese herrlichen süßen kleinen Bananen, die bei uns leider nicht zu kaufen sind. Ähnlich werden wir während der gesamten Reise kulinarisch verwöhnt: Frühstück, Mittagessen, nachmittags Kaffee und selbstgebackener Kuchen und schließlich Dinner mit je einem Fleisch- und Fischgericht samt Beilage, garniert mit Salat, Nachspeise und Kaffee. Gemeinsam mit mir reisen noch fünf Paare unterschiedlichen Alters. Zwei davon kommen aus Italien und die anderen drei Pärchen sind Franzosen, die generell die größte Besuchergruppe stellen.

Sie alle buchten diesen Segeltrip mit unterschiedlichen Vorstellungen: Während die einen einfach die See und den Aufenthalt an Bord einer Yacht lieben ist es für andere eine ideale Möglichkeit, die verschiedenen Inseln zu bereisen – ohne ständiges Umziehen von Hotel zu Hotel. Wiederum ein anderes Pärchen genießt den Rundum-Service samt Vollpension an Bord, und wenn die Segel schließlich gesetzt sind und das Motorengebrumm erstirbt, dann verstummen sogar die sonst so gesprächsbereiten Italiener und genießen stumm staunend die Fahrt. Die Verständigung an Bord klappt gut auf Englisch. Die Crew spricht zusätzlich Französisch und Creole, die Sprache der Einheimischen. Flink wieselt Charlie ständig über die Yacht und taucht überall da auf, wo eine Hand benötigt wird. Mal zupft er ein wenig an den Schoten, mal sichert er ein Gästehandtuch vor dem Über-Bord-Gehen. Ständig guckt er, ob es was zu reparieren oder zu verbessern gibt. Täglich erklärt er seinen Gästen das Tagesprogramm, weist auf Besonderheiten hin und beantwortet gut gelaunt Fragen wie: “Was ist das für eine Insel?“ „Wo finde ich einen Flaschenöffner?“ „ Wie heißt Schweinebraten auf Creole?“...

Die Frage nach der Insel ist natürlich berechtigt, der Name meist schnell wieder vergessen, die Flasche öffnet er natürlich eigenhändig und für den Schweinebraten gibt es wohl keine Entsprechung in Creole. Wir sind unterwegs mit nördlichem Kurs, und nach gut drei Stunden und 25 gutgemachten Seemeilen – ich gucke prüfend, ob diese meine Insel mit den zwei Bergen ist – wir erreichen die Insel Silhouette. In den kommenden Tagen werden weitere reizvolle Eilande mit ebenso exotischen wie vielversprechenden Namen wie Curieuse, Aride, Fregate, La Digue und Bird Island folgen. Auf Silhouette soll der französische Pirat Houdol gehaust haben und die Legende besagt, dass er hier, in einer tiefen Höhle, seinen Piratenschatz versteckt hat, den bis heute noch niemand entdecken konnte. Heute beherbergt die 740 Meter hohe und fast kreisrunde Insel eine kleine Lodge für Besucher. Yachties, die an Land gehen wollen, müssen sich gegen Gebühr eine Besuchsgenehmigung ausnahmsweise schon in der Hauptstadt Victoria besorgen, die an der Rezeption der Silhouette Island Lodge vorzuzeigen ist. Auf den meisten Inseln ist das Ticket meist an der jeweiligen Rezeption zu erstehen.

Auf fast allen Inseln wird eine „Landing-Fee“, eine Art Eintrittsgeld erhoben, das meist zwischen 10 und 30 Euro liegt und das an der Rezeption zu bezahlen ist. Eingeschlossen ist entweder nur das Betreten der Insel oder zusätzlich der Bootstransfer zwischen Yacht und Strand, die „Marine Park Fee“ für den Nationalpark oder eine Führung zu den Sehenswürdigkeiten der jeweiligen Insel. Viele Eilande befinden sich in Privatbesitz oder sind langjährig verpachtet und die Inselherren lassen sich den Besuch der Touristen bezahlen. Wer in den einsamen Hotels, Resorts oder Lodges auch mal zum Essen gehen will, sollte sich unbedingt vorab anmelden, damit deren Küche auf eine Gruppe hungriger Seglermäuler eingerichtet ist. Wiederum ist es der Skipper, der Vorbestellungen vornimmt und der von dem am Törnbeginn vereinnahmten Geld die Gebühren bezahlt, so dass sich kein Gast mehr darum kümmern muss. Das Wetter spielt heute nicht mit – warme tropische Regengüsse prasseln auf das große Bimini-Top, unter dem sich die Gäste versammelt und einmütig beschließen, den nassen Landgang ausfallen zu lassen. Somit spart sich Charlie den Bootstransfer von der vor Anker liegenden Yacht zum keinen Hafen, der, außer von Dingies, nur von den hoteleigenen Transferbooten genutzt werden darf.

Zweiter „bloody day“ in Paradise. Zum Frühstück am nächsten Morgen ist Fische füttern am Heck angesagt. Ein ganzer Schwarm pfannengroßer Fledermausfische giert nach Küchenabfällen und Brotkrumen, die sie sich aus der Hand abholen. Ein wenig Streicheln wird von den vorwitzigen Fischen dabei durchaus toleriert. Dann werden die Segel gehisst zum nächsten Etappenziel. Für die Taucher unter uns stellt die Tatsache, dass der Tauchlehrer Ronny samt Kompressor und mehreren kompletten Ausrüstungen an Bord ist, einen besonderen Luxus dar. Denn wann immer ein Gast die Unterwasserwelt erforschen möchte: Ronny ist da, hilft bei der Vorbereitung und taucht natürlich als privater Tauchguide mit.

Auch Schnuppertauchgänge für Einsteiger sind möglich, sogar mit Prüfung! Unseren ersten Tauchgang unternehmen wir denn nahe Therese Island. El Nino, einhergehend mit Klimawandel und Temperaturerhöhung des Meerwassers, hat leider fast 60 Prozent der Korallenbestände vernichtet. Zum Glück erholen sich die Riffe so langsam, aber es wird Jahrhunderte dauern, bis die alte Pracht wieder erblüht. Aber die Welt der Fische ist dafür umso bunter! Tropische Rifffische aller Coleur sind von unserer Anwesenheit wenig beeindruckt und lassen uns ganz nahe ranschwimmen: Steinfisch, Rotfeuerfisch und Muränen bekommen wir zu sehen. Sogar die großen Weißspitzen-Riffhaie lassen uns völlig unbehelligt. Eine Schildkröte guckt mir minutenlang aus nur einem halben Meter Entfernung neugierig in die Augen und lässt sich sogar vorsichtig anfassen – so macht Tauchen richtig Spaß! Während der mehrstündigen Passage nach Praslin werden die Schleppangeln ausgeworfen und prompt gibt es lecker Abendessen! Ein etwa 60 Zentimeter langer Thunfisch zappelt am Haken und nur wenig später holt Skipper Charlie einen fast meterlangen Dolphin an Deck!

Abends zergeht das Thunfisch-Carpaccio, nur mit Limonen besprengt und mit ein paar Kräutern gewürzt, butterweich auf der Zunge und die Dolphin-Steaks gibt es in der Pfanne gebacken als Hauptgang. Der leichte Chablis dazu ist das I-Tüpfelchen auf dieses grandiose Dinner mit dem „Catch of the Day“. Dritter Tag in Paradise. Wir waren am Abend erst nach Sonnenuntergang am Ankerplatz angekommen und so war die Überraschung am Morgen umso größer, als wir sahen, wo wir geankert hatten. Jeder, der schon mal Fotos von den Seychellen gesehen hat, kennt dieses Motiv: Das kleine Inselchen Saint Pierre ziert die meisten Prospekte. Und wir schweben nur 100 Meter davor auf diesem schon fast kitschig schönen türkisblauen Wasser! Wenn das keine klasse Aussicht zum Frühstück ist?! Schon werden die Kameras gezückt, um dieses einmalige Motiv der von Wind und Wasser zerfurchten Granitfelsen und der sich im Südost-Monsun wiegenden Palmen für die Lieben daheim festzuhalten.

Beim Schnorchelgang um das Eiland zeigen sich die vielen Rifffische in prächtigen Farben in der Morgensonne. ... war wieder nicht „meine“ Insel, sieht aber super Klasse aus. Noch ein weiteres Highlight dieser Reise steht auf dem heutigen Programm: Ein Ausflug zum von der UNESCO zum Welt-Kulturerbe ernannten Vallee de Mai. Skipper Charlie bringt uns mit dem Beiboot zum flach auslaufenden Strand und ein Taxi zum Eingang des Nationalparks. Dieses Regenwald-Tal ist berühmt für seinen Bestand der Palmenart Coco de Mer. An den weiblichen dieser bis zu 30 Meter hohen Palmenart hängen die größten Nüsse der Welt. Bis zu 20 Kilogramm kann eine Coco de Mer wiegen. Ihre Form erinnert an einen weiblichen Schoß, so dass sich seit alten Zeiten viele Legenden um diese außergewöhnliche Frucht ranken. Eine Reihe von Spazierwegen führen durch den grünen Dschungel und die Ranger erteilen bereitwillig Auskunft über die verschiedenen, teils endemischen Pflanzenarten, also Arten, die nirgends sonst auf der Welt wachsen. Zur Abkühlung unserer nach dem Spaziergang im Regenwald dampfenden Körper fahren wir an die Nordküste von Praslin zum Strand von Anse Lazio, der so aussieht wie man sich die Seychellen vorstellt: Feinsandig, palmenbeschattet, eine Bar samt Restaurant unter hohen Tamarinden und am westlichen Ende eine kleine Lagune mit Süßwasser, wo denn meine paradiesischen Traum-Seychellenfotos entstehen.

Anse Lazio wurde zu einem der 10 besten Strände der Welt gewählt! Es ist ein Ort zum Verweilen und gleichzeitig eine der geschütztesten Ankerbuchten bei Südwestwinden. Another bloody day in Paradise. Mit Kurs 338 Grad überwinden wir bei 4-5 Beaufort die knapp 50 Seemeilen bis nach Bird Island, das am Rand der ausgedehnten Seychellen-Bank liegt. Zwei Berge? Absolute Fehlanzeige! Bird Island ist keine Granitinsel, sondern ein nur 2 Meter hoher, aber 1 Kilometer langer „Sandhaufen“, bewachsen mit Unterholz und Palmen. Georges und Margret Noah errichteten bereits im Jahr 1983 eine kleine, aber dabei umso feinere Lodge mit inzwischen 24 Bungalows – ohne Fernsehen, Telefon am Zimmer, ohne Swimmingpool und Animation... Dafür aber in direkter Nachbarschaft mit teilweise Millionen von Vögeln, die hier ihren Nachwuchs großziehen. Ferner ist Bird Island eine der zehn wichtigsten Plätze weltweit, wo die Meeresschildkröten ihre Eier ablegen. Robby heißt der Ranger, der sein Leben in den Dienst der Erhaltung dieser Geschöpfe gestellt hat und der die kleinen Babys aufpäppelt, wenn sie mal die eigentliche Brutzeit schon verpasst haben.

Sualiga ankert in Lee, also an der Nordwestseite der Insel auf 5 Metern Wassertiefe. Trotz des schützenden Riffes in Luv, auf dem sich die Wellen brechen, hebt und senkt sich der Katamaran im Schwell, denn der Ankerplatz ist von drei Seiten offen zum Ozean und sollte nur bei langfristig guter Wetterprognose angelaufen werden. Zum Dinner hat uns der Skipper im Inselrestaurant eingebucht: Fangfrischer Fisch, Kokosnusswasser in frisch geöffneter Frucht gegen Durst, Passionsfrüchte ... noch ein gelungener Tag in Paradise. Cousin heißt eines der Eilande westlich von Mahe. Es ist bekannt für seinen langen Sandstrand, der fast die ganze Insel umgibt, für seinen Vogelreichtum im Naturreservat und für das spannende Anlanden am Strand. Und das geht so: Die Yacht ankert etwa 100 Meter vor dem Ostkap über gut haltendem Grund, aber in „rolly sea“ – es schaukelt ein wenig in der Dünung. Aber nur Montag bis Freitag, von 09:30 bis 12:00 Uhr – sonst hat die Insel geschlossen.

Ein Mitarbeiter der Inselverwaltung kommt mit einem außenbordergetriebenen Dingi längsseits und lässt die Besucher einsteigen. Alsdann positioniert es sich gut 50 Meter vom Strand entfernt und wartet auf den richtigen Augenblick – wann dies der Fall ist, konnte ich nicht erkennen, der Bootsmann schon. Plötzlich gibt er Vollgas und mit dem Speed von 40 Pferdestärken rasen wir auf den Strand zu und brettern samt Boot den Strand hinauf, wo uns helfende Hände aus dem Dingi helfen – wir sind angelandet. Diese Aktion muss so sein, denn die Wellen hier sind recht hoch und brechen sich ungestüm am Ufer. Erwischt man den falschen Zeitpunkt oder bringt das Boot nicht sofort aus der Uferzone, überspült die nachkommende Welle unweigerlich das Beiboot. Der Skipper bezahlt die Landing-Fee und dem Rundgang steht nichts im Wege. Ile Cousin ist eines der weltweit ersten Inselschutzgebiete, denn sie ist die Heimat einiger endemischer Vogelarten, von Tieren also die es nur hier gibt. Jährlich wird sie von bis zu 300.000 brütenden Seevögeln besucht. Sie rühmt sich mit der höchsten Dichte an Echsen pro Hektar – Begegnungen mit Eidechsen sind also nicht ausgeschlossen. Aber keine Angst: Sie beißen nicht, sind nicht giftig, dafür klasse Fotomotive.

In einer Bucht im Norden von Mahe geht auch dieser Day in Paradise zu Ende. Heute ist es endlich soweit! Meine lang erwartete Insel mit zwei Bergen ist in Sicht – und wir kreuzen dahin auf. Die Überfahrt nach Grande Soeur, der Insel mit zwei Bergen, erfolgt am Besten von La Digue oder von Praslin aus, denn da gibt es einige Einkaufsmöglichkeiten. La Digue ist bekannt dafür, dass es (fast) keinen Autoverkehr gibt. Besucher können Fahrräder leihen oder sich auf einem Ochsenkarren, dem traditionellen Lastengefährt, kutschieren lassen. Gut ausgerüstet mit Holzkohle, Hähnchen, Salat und frischem Fisch, den wir bei einem Fischer gekauft haben, gehen wir westlich von Grande Soeur vor Anker und lassen uns vom Taxiboot durch und über die schmale und seichte Riffpassage zum Strand bringen. Die Insel besticht mit ihren grandiosen Felsformationen aus Granitstein, die typisch sind für die Seychellen – natürlich umrahmt von Palmen und anderer üppiger Vegetation.

Etwas abseits liegt Esmeralda, die uralte Riesenschildkröte, dösend im Schatten. Nach anfänglichem Unmutsgrummeln lässt sie sich von mir streicheln und sogar so weit in die Sonne locken, dass das Foto gut gelingt – Danke Esmeralda! Der kurze Fußweg durch das Tal zwischen den zwei Bergen öffnet sich zur zweiten feinsandigen weißen Beach. Die Brecher aus Südost donnern spritzend gegen die Felsen und laufen den Strand hinauf – das ist Brandungsbaden für Geübte, denn der Sog kann auch einen geübten Schwimmer im Nu weit vom Ufer wegtragen. Der Strand am Westufer ist bei dieser Wetterlage besser. In dem kleinen Palmenwald befindet sich der Grillplatz, der nicht nur von uns, sondern auch von anderen Yachten genutzt wird. Während die Gäste baden, schnorcheln oder sich auf der Insel umsehen, heizen die Köche der Yachten mächtig ein: Die bereitstehenden Grills werden befeuert und kurz darauf brutzeln Red Snapper, Thunfisch und Hähnchen auf den Rosten.

Bequem an Tischen und Bänken serviert unsere Crew die Leckereien samt Beilage und Salat. Da die Insel um 15:00 Uhr geschlossen wird, bleibt noch genügend Zeit für einen Segelritt zu einer der Nachbarinseln mit geschützten Ankerplätzen – und eventuell einem Restaurant für das Dinner. So neigt sich auch dieser erlebnisreiche Day in Paradise, der mir meine Insel mit zwei Bergen gebracht hat, zu seinem entspannten Ende. Viele der Inseln sind relativ rund und nur wenig durch Einschnitte oder Buchten gegliedert. Ferner schützen teils weit vorspringende Korallenriffe die Eilande – nicht nur vor den heranbrausenden Wogen des Indischen Ozeans, sondern auch vor den Yachten. Diese müssen recht weit vor dem Ufer vor Anker gehen und sind der (Gezeiten-) Strömung und der Dünung voll ausgesetzt. Ankerplätze, die in der Jahreszeit der Nordwestwinde als sicher gelten, sind bei Südost-Monsun voll dem Wind und der Dünung ausgesetzt, so dass diese dann nicht nutzbar sind. So kann man die Seychellen leicht zwei Mal, zu unterschiedlichen Jahreszeiten, besegeln und wird völlig andere Ankerplätze vorfinden.

Der Megakatamaran „Sualiga“ und das erst wenige Jahre alte Schwesterschiff „Neptun“ sind vom Typ „Nautitech 82 Pro“ und auf Grund ihrer Konstruktion ideal zum Erforschen dieses Inselparadieses: Acht separate und gut zugängliche Kabinen mit jeweils eigenem Bad, große Decksflächen mit riesigen Liegeflächen, ein schattiger Platz im Cockpit, komplette Bordtechnik mit Generator, Watermaker, 220 Volt Inverter, Tiefkühler etc. und nicht zuletzt eine einsatzfreudige Crew um Skipper Charlie machen einen Inselhopping-Trip im Paradies der Seychellen zum erinnernswertem Erlebnis. Manche der Törns starten an der Hauptbasis von Dream-Yacht-Charter auf der Insel Praslin. Die Katamaranfähre „Cat-Cocos“ legt mehrmals täglich in Victoria am Inner Island Quai ab und bringt die Reisenden nach Praslin – nur etwa 200 Meter von der Dream-Charterbasis entfernt legt sie an. Air Seychelles bedient mit „Inselhoppern“ die Inseln und verfügt praktischerweise über jeweils passende Anschlussflüge. Wer es exklusiv mag, lässt sich mit einem gecharterten Helikopter zur Zielinsel bringen. Der Job des Charterskippers Charly beschränkt sich nicht nur darauf, am Ruderrad zu stehen und einem Captain Cook gleich mit verklärtem Blick über den Ozean zum Horizont zu blicken.

Ein Skipper muss viel mehr machen und können: Mechaniker, Elektriker, Mädchen für alles und jeden, manchmal Seelentröster, Gaudibursch, Animateur, Organisator, Reiseführer, auch mal Segellehrer und er muss immer gut gelaunt dabei sein. Die Schiffsführung hat er quasi so nebenbei zu erledigen. Ich hätte ja gerne noch mehr „bloody days in paradise“ genossen, denn Inseln und Ziele gibt es genug, aber mein Rückflugticket hat unmissverständlich ein definitives Datum aufgedruckt. Gut gefallen haben mir die grandiosen tropischen Landschaften, das Kreuzen auf der Sualiga zwischen den vielen Inseln, bei dem quasi nebenbei so mancher Fisch für die Pfanne gefangen wurde, und die Emsigkeit unserer Crew.

Selbstfahrer werden sich zuerst etwas schwer tun mit Tide, Strömungen, Sog, Riffen und mit der etwas schwierigen Versorgungslage. Die Seychellen sind eher kein Revier für denjenigen, der täglich eine Marina samt Wasser- und Stromanschluss samt Restaurant, Toilette und Dusche an Land braucht. Für Individualisten, die abseits von Touristenrummel einen abwechslungsreichen Segeltörn an Bord eines großen Katamarans erleben wollen, bieten die Seychellen unvergessliche Days in Paradise.

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