Radioballett als immersive Performance

Immersive Performance zwischen kollektiver Handlung, Narration und verkörperter Erfahrung

Radioballett ist eine immersive Kunstform innerhalb der darstellenden Künste. Der Begriff der Immersion (Eintauchen) beschreibt dabei das körperliche wie auch erzählerische Eingebundensein der Teilnehmenden in eine performativ gestaltete Wirklichkeit. Die Teilnehmenden eines Radioballetts tauchen in eine vom Körperfunkkollektiv entwickelte Welt ein, die sie nicht passiv rezipieren, sondern aktiv mitgestalten. Auf diese Weise entsteht eine kollektive Performance, die sich durch koordinierte, aufeinander reagierende Handlungen formiert.

Radioballett als immersive Kunstform

Radioballett ist eine immersive Kunstform innerhalb der darstellenden Künste. Der Begriff der Immersion (Eintauchen) beschreibt dabei das körperliche wie auch erzählerische Eingebundensein der Teilnehmenden in eine performativ gestaltete Wirklichkeit. Die Teilnehmenden eines Radioballetts tauchen in eine vom Körperfunkkollektiv entwickelte Welt ein, die sie nicht passiv rezipieren, sondern aktiv mitgestalten. Auf diese Weise entsteht eine kollektive Performance, die sich durch koordinierte, aufeinander reagierende Handlungen formiert.

Performative Struktur jenseits klassischer Theaterformen

Im Unterschied zu klassischen Theaterinszenierungen operiert das Radioballett ohne Bühne, ohne feste Rollenverteilung und ohne choreografische Hierarchie. Die Performance manifestiert sich vielmehr im relationalen Miteinander der Teilnehmenden – in simultanen, koordinierten, zugleich jedoch räumlich verstreuten Gesten. Aufführung wird hier nicht als Präsentation vor einem Publikum verstanden, sondern als gemeinschaftlich hervorgebrachter Prozess.

Organisation der Performance über Funkkopfhörer

Die performative Struktur wird über Funkkopfhörer organisiert. Über diese erhalten die Teilnehmenden sowohl konkrete Handlungsanweisungen als auch narrative Rahmungen, welche Bewegungen, Gesten und Interaktionen innerhalb der Gruppe strukturieren. Es entstehen überlagerte Erfahrungsebenen, die individuelle Wahrnehmung mit kollektiver Handlung verknüpfen. Jede teilnehmende Person fungiert damit als aktiver Mitproduzentin der Performance. Zudem kann durch das Eintauchen in die Geschichte der Erfahrungshorizont erweitert werden, indem kognitive und körperliche Erkenntnisprozesse ineinandergreifen.

Historische Entwicklung des Radioballetts

Historisch wurde das Radioballett 2002 von dem Medien- und Performancekunst-Kollektiv LIGNA entwickelt. Deren frühe Arbeiten waren maßgeblich im öffentlichen Raum verortet und als politische Interventionen angelegt. Im Zentrum stand die kritische Auseinandersetzung mit normativen Raumordnungen sowie gesellschaftlichen Verhaltenscodierungen.

Konzeptioneller Ansatz des Körperfunkkollektivs

Die Radioballett-Praxis des Körperfunkkollektivs unterscheidet sich hiervon konzeptionell. Die Inszenierungen finden überwiegend im Kontext kuratierter Veranstaltungsformate statt, etwa auf Festivals, Konferenzen oder in Workshop-Settings. Der jeweilige Aufführungsort fungiert dabei weniger als Gegenstand kritischer Analyse denn als Rahmen für imaginative Erfahrungsräume. Über narrative Setzungen – beispielsweise futuristische Szenarien oder märchenhafte Erzählwelten – werden gedankliche Räume eröffnet, die durch die Vorstellungskraft der Teilnehmenden performativ ausgestaltet werden.

Methodische Zugänglichkeit und Partizipation

In methodischer Hinsicht zeichnet sich das Radioballett des Körperfunkkollektivs durch eine niedrige Zugangsschwelle aus. Weder tänzerische noch schauspielerische Vorerfahrungen sind erforderlich; vorausgesetzt werden lediglich Aufmerksamkeit und die Bereitschaft zur Partizipation. Die Offenheit der Ausführung – jenseits normativer Bewertungen von „richtig“ oder „falsch“ – ermöglicht es, Hemmungen abzubauen und individuelle Ausdrucksformen zu erproben. Kreative Handlung entsteht dabei aus der jeweils eigenen Interpretation der vermittelten Anweisungen.

Radioballett als erfahrungsbasierte Kunstpraxis

Radioballett fungiert somit als künstlerisches Werkzeug, das narrative Dramaturgie mit verkörperter Praxis verbindet. Es schafft immersive Erfahrungsräume, in denen individuelle Wahrnehmung, kollektive Bewegung und soziale Interaktion miteinander verknüpft werden. Für das Körperfunkkollektiv steht dabei die Erfahrung der Teilnehmenden im Zentrum: Sie werden zu Co-Produzent*innen der Aufführung, ohne deren Mitwirkung das Radioballett nicht existieren kann. Anders als in den politischen Interventionen LIGNAs wird folglich nicht primär der Raum selbst herausgefordert, sondern die Wahrnehmungs-, Handlungs- und Interaktionsweisen der Beteiligten. Das Radioballett eröffnet damit spezifische Möglichkeiten partizipativer, performativer und erfahrungsbasierter Wissens- und Kunstgestaltung.